Reisebericht über Korsika

Frühling & Herbst `00

Einleitend möchte ich hier erst mal eine kleine Zusammenfassung über die Straßenverhältnisse und die Campingplätze machen.

Das Straßennetz ist wirklich sehr gut ausgebaut. Selbst sehr abgelegene Straßen (soweit es das auf einer nicht allzu großen Insel überhaupt gibt) im Hinterland und über die Berge bis ins letzte Bergdorf sind nahezu durchweg geteert und problemlos zu befahren. Alle Haupverkehrs- und Überlandverbindungsstraßen sind auch mit dem Wohnwagengespann sehr gut zu befahren. Auf kleineren Nebenstrecken sollte man allerdings sein Gespann kennen, wir hatten einmal auf einer alten Steinbrücke max. 5cm Spielraum auf jeder Seite. Allerdings wurde diese Straße wohl auch nicht so oft von einem Wohnwagengespann benutzt.

Da sich die Qualität der Campingplätze gerade in südlichen Regionen schnell mal verändern kann, möchte ich an dieser Stelle keine bestimmten Plätze empfehlen. Ein Platz der zur Vorsaison sauber und gemütlich ist, kann in der Hauptsaison schnell mal zur Katastrophe werden. Generell bietet sich die Ostküste mit ihren flacheren Sandstränden eher Familien mit Kindern an. Die Campingplätze an der Ostküste sind daher auch eher für Familien ausgelegt und auch stärker frequentiert als die an der Westküste. Die deutlich wildere und steilere Westküste bietet eher kleinere Campingplätze für Individualisten und Wanderer. Die Strände sind oftmals steiniger und steiler abfallend, dadurch aber auch besser z.B. für's Schnorcheln und Tauchen geeignet.

Wir waren jeweils 2 Wochen im Frühling und im Herbst auf der Insel. Um bei unseren Ausflügen möglichst nicht immer weit fahren zu müssen haben wir 2x den Campingplatz gewechselt. Zuerst waren wir bei Moriani unterhalb Bastia um den Norden und Bastia zu erkunden, im Anschluss kurz oberhalb von Porto Vecchio in einer kleinen Bucht für die Mitte und den Süden und zum Schluß noch an der Westküste in der Bucht von Sagone für den Rest der Insel.

 

Bei der Umrundung des Cap Corse welches 40 Km lang und 15 Km breit ist sollte man sich einen bzw. besser zwei Tage Zeit lassen.. Umfährt man das Cap erreicht man alle Vegetationszonen der Insel. Rund um das Cap stehen noch viele alte Wehrtürme (Genuesentürme) welche von den kriegerischen Zeiten übrig geblieben sind. In Nonza entstand in den 60er Jahren der schwarze Strand durch das in der Nähe liegende Bergwerk, welches Asbestschiefer abbaute. Die schwarze Färbung, das blaue Meer und im Hintergrund die hellen Häuser des Dorfes ergeben ein sehr malerisches Bild
In der Region Castanicca ziehen sich Kastanienhaine über die Berghänge soweit das Auge reicht. Die Bäume erreichen eine Höhe von bis zu 20 m. Die Kastanie war früher eines der Hauptnahrungsmittel. Sie wurde zu Mehl und Brot verarbeitet. Heute sind viele Bäume nicht mehr gepflegt und verwildern zusehens. Auf den kurvigen Straßen muß man sehr vorsichtig fahren, da hinter einer Biegung ein Esel und hinter der nächsten eine Herde Schweine stehen kann. Es heißt in der verwinkelten und nur von sehr schmalen Straßen durchzogene Castanicca verstecken sich die letzten Banditen Korsikas.
Die größtenteils unberührte Natur lädt zu ausgiebigen Wanderungen oder auch Radtouren ein. Bei Wanderungen sollte man allerdings immer festes Schuhwerk tragen. Viele der Wanderwege sind schmal bzw. steinig. Aus Wegweiser dienen oft kleine Steinpyramiden oder farbige Markierungen auf Felsen. Für ausgiebige Wanderungen unbedingt eine Wanderkarte besorgen.
Corte - geistige und ehemalige Hauptstadt (1755-1769) von Korsika. Auf dem höchsten Punkt trohnt die Zitadelle der Stadt. Sie wurde von König Aragon in Auftrag gegeben welcher auch die Stadt Bonifazio im Süden eroberte. In Corte gibt es eine Universität in welcher gut 3000 Studenten haben die Fächer Jura bis Ozeanographie belegt.
In Ajaccio, mit seinen großen Plätzen umgeben von Palmen und Plantanen, wurde 1769 Napoleon geboren. Diese Stadt ist untrennbar mit diesem Mann verbunden. In der Stadt trifft man auf viele Statuen, Denkmäler und Museen. Im Hotel de Ville ist der Taufschein Napoleons ausgestellt, sowie eine Ansammlung von Münzen. Der Markt ist einer der größten und schönsten des Landes. Hier gibt es landestypische Spezialitäten in großer Vielfalt direkt vom Erzeuger zu kaufen.
Die Gesteinsformation der Calanche ist die am meisten bestaunte Felslandschaft Korsikas. Die Formen sind durch den Einfluß von Sonne, Wind und Regen entstanden. Hier trifft man auf Formationen wie das Herz der Verliebten oder auch mal auf einen Drachenkopf. Diese Gegend bietet sich für Wanderungen an, um die Formationen aus nächster Nähe sehen zu können.
Aus der europäischen Steinzeit stammen die Dolmen und Menhire im Süden der Insel. Bis zu 258 Monolithen stehen hier beisammen, ein korsisches Carnac. Korsika gehört zu den ersten Siedlungsräumen des Mittelmeeres. Diese Epoche verliert sich etwa 600 v.Chr. Wir haben uns insgesamt 4 Fundstätten angesehen. Desto jünger die Menhire sind, desto detailgetreuer sind sie bearbeitet worden. Teilweise kann man Waffen oder auch Gesichtszüge erkennen.
Sartene, die graue Stadt mit tiefen dunklen Gassen, in der erst 1834 die Blutrache abgeschafft wurde ist heute auf jeden Fall einen Ausflug wert. In der Kirche wird das Kreuz der Karfreitagsprozession ausgestellt. Das Kreuz wiegt 32 Kg und die Ketten 14 Kg. Ein rot gekleideter Büßer trägt die Last, begleitet von einem weißen Büßer und 10 schwarzen Totenbrüdern durch die Stadt. Der Büßer bleibt anonym und ist nur dem Pfarrer des Ortes bekannt.
Bonifazio - die Stadt auf dem Felsen. Die Bastion erstreckt sich bis tief in den Hafen hinein. In den Sälen sind historische Szenen aus dem Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert nachgestellt. Hier sieht man auch eine Kopie der Dame von Bonifazia, ein über 4000 (8500) Jahre (je nach Reiseführer) altes Skelett das hier bei Ausgrabungen gefunden wurde. Odyseuss berichtete von einer Stadt hoch über den Klippen mit menschenfressenden Riesen. Wenn man Seefest ist bietet sich ein Ausflug mit dem Boot zu den Grotten und rund ums Cap an. Die Boote starten am Ende des Hafens.
Die Dessert de Agriates ist ein mit Macchia (siehe unten) überwuchertes Felsgebiet welches bis auf 475 m ansteigt. Wanderungen können einen durch diese wilde Gegend bis ans Meer führen - das Auto führt nur mit Allrad und Bodenfreiheit ans Meer. Bei den Gehöften der Bauern kann man landestypische Produkte wie Honig, Marmelade und verschiedene Käsesorten erwerben.

 

Hier noch ein paar allgemeine Informationen zu Korsika:
 
Korsika hat eine Länge von 183 Km und eine Breite von 83 Km. 1000 Km Küsten umrahmen Korsika. Im Hochland steigen die Gipfel bis auf 2710 m an. Auf der Insel erreichen 50 Berge eine höhe von mehr als 2000 m. 86% der Insel sind "Bergland".Es leben im Schnitt 25 Einw./km². Die Hälfte der Einwohner lebt allerdings in Bastia und Ajaccio, so daß im Landesinneren höchstens 12 Einw./km² zu finden sind.
 
Auf Korsika wird vorzüglicher Wein sowie Schafs- und Ziegenkäse mit wilden Kräutern produziert. Ebenso als Spezilität gelten die Würste welche von den zum größten Teil freilebenden Schweinen produziert wird. Die Tiere ernähren sich von verschiedenen Kräutern und im Herbst von den Kastanien (siehe Castanicca) der Wälder. Dadurch erhält das Fleisch einen vorzüglichen Geschmack. Die Produkte können zum großen Teil direkt bei den Bauern erworben werden.
 
Als Straßenkarte empfehle ich die Michelin/Corse Nr. 90. Sie hat uns besonders im Hinterland gute Dienste erwiesen. Als Reiseführer bietet sich der Velbinger Reiseführer von Korsika (ISBN 388316-015-6) an. Er beschreibt sehr gut Land und Leute, bietet Vorschläge für Ausflüge und Touren, sowie echte "Insidertipps".
 
Die Macchia bedeckt ca ein Viertel der Insel. Macchia ist als Begriff die Zusammenfassung der wildwuchernden, immergrünen Kräuter, Streucher, Blumen und Bäume- Cistrose, Ginster, Baumheide, Erdbeerbaum, Myrte, Mastxbaum, Wachholder, Rosmarin, etc.
 
Mit dem Zeichen "FLNC" wird man auf Korsika sehr oft konfrontiert. FLNC ist die Kürzel für die Untergrundorganisation Front de Liberation Nationale de la Corse. Die Untergrundorganisation Korsikas welche seit den 60er Jahren gegen die Zentralregierung in Paris kämpft. Das Zeichen verfolgt einen bei den täglichen Ausflügen auf Verkehrsschildern welche oft Einschußlöcher aufweisen und Hauswänden. Zeitweise verübt die FLNC noch Bombenanschläge, welche sich aber nicht gegen Touristen richten, sondern gegen Finanzämter, Polizeistationen etc. 1998 erreichte der Widerstand seinen letzten Höhepunkt mit der Ermordung des Statthalters und Präfekten. Dies liest sich vielleicht schlimmer als es ist. Als Reisender muß man sich auf jeden Fall keine Sorgen machen.